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Schaden & Leistung

Bauingenieur/Architekt als Schadensachverständiger

Bauingenieure und Architekten als Schadensachverständige besichtigen Gebäudeschäden nach Brand, Leitungswasser und Sturm, klären Ursache und Umfang und erstellen die Gutachten, auf denen der Versicherer die Regulierung aufbaut.

3 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.

Gehalt

Was man als Bauingenieur/Architekt als Schadensachverständiger verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 3.600 € 4.100 € 4.600 € 49.200 €
Mit Berufserfahrung 4.400 € 5.200 € 6.300 € 62.400 €
Mit langjähriger Erfahrung 5.800 € 7.000 € 9.000 € 84.000 €

Angestellte Sachverständige der privaten Versicherer werden nach dem Tarifvertrag für das private Versicherungsgewerbe eingruppiert, in der Regel in den oberen Gehaltsgruppen; hinzu kommen Regelungen zu Dienstwagen, Reisezeit und Rufbereitschaft nach Unwetterlagen. In Sachverständigenbüros wird frei verhandelt, bei freier Tätigkeit wird nach Aufwand oder nach vereinbarten Sätzen je Auftrag abgerechnet, sodass das Einkommen mit der Auftragslage schwankt. Öffentliche Bestellung und Erfahrung mit Großschäden wirken deutlich auf die Vergütung.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Haus zu Haus unterscheiden – im privaten Versicherungsgewerbe stehen sie im Tarifvertrag, bei den gesetzlichen Kassen im TVöD.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was macht ein Bauingenieur oder Architekt als Schadensachverständiger?

Die Arbeit beginnt am beschädigten Gebäude. Nach einem Brand, einem Leitungswasseraustritt, einem Sturm- oder Hagelereignis oder einer Überschwemmung wird das Objekt besichtigt, der Zustand fotografisch und messtechnisch dokumentiert und geklärt, was überhaupt geschehen ist: Ursache, Hergang, betroffene Bauteile, Folgeschäden an Konstruktion, Dämmung und Estrich, Durchfeuchtungen und deren Trocknungsbedarf. Darauf folgt die Bewertung. Der Sachverständige stellt fest, welche Arbeiten zur Wiederherstellung erforderlich sind, kalkuliert sie nach Gewerken und ortsüblichen Baupreisen, grenzt die reparaturbedürftige Substanz von der Verbesserung ab und unterscheidet Neuwert, Zeitwert und gemeinen Wert. Häufig ist auch zu prüfen, ob die Versicherungssumme zum Gebäudewert passt, weil eine Unterversicherung die Entschädigung mindert. Wichtig ist die Rolle: Der vom Versicherer beauftragte Sachverständige arbeitet für die Regulierungsentscheidung des Hauses, während der Versicherungsnehmer einen eigenen Sachverständigen benennen kann. Sind die Feststellungen streitig, führen die Bedingungen in ein Sachverständigenverfahren, in dem beide Seiten je eine Person benennen und ein Obmann über die Differenz entscheidet. Weitere Aufgaben sind Baubegleitung bei größeren Wiederaufbauten, Prüfung von Handwerkerrechnungen und Stellungnahmen zu Fragen der Ursachenverantwortung, aus denen ein Regress folgen kann.

Wie wird man Bauingenieur oder Architekt als Schadensachverständiger?

Über ein abgeschlossenes Studium des Bauingenieurwesens oder der Architektur und mehrere Jahre Baupraxis in Planung, Bauleitung oder Sanierung. Erst diese Praxis erlaubt die Einschätzung, welche Ausführung übliche Bauweise war und welcher Aufwand für die Wiederherstellung angemessen ist. Die Spezialisierung auf Gebäudeschäden entsteht danach, in der Regel im Schadenaußendienst eines Versicherers oder in einem Sachverständigenbüro, begleitet von Lehrgängen zu Bedingungswerken der Sachversicherung, zu Schadenbildern und zur Bewertung. Verbreitet sind Zertifizierungen nach den Regeln für Personenzertifizierungsstellen sowie die öffentliche Bestellung und Vereidigung durch eine Industrie- und Handelskammer oder Architektenkammer, die für Gerichtsgutachten Gewicht hat. Nützlich sind Zusatzqualifikationen zur Bauwerksdiagnostik, zur Feuchtemessung und zur Brandschadensanierung.

Was der Beruf verlangt

Urteilsfähigkeit unter Zeitdruck und die Bereitschaft, sie schriftlich zu vertreten. Ein Gutachten ist die Grundlage einer Zahlung und wird von Versicherungsnehmern, Anwälten und Gerichten gelesen, weshalb Feststellung, Begründung und Kalkulation trennscharf und nachvollziehbar sein müssen. Der Alltag ist Reisetätigkeit mit wechselnden Objekten, teils in beschädigten und belasteten Gebäuden. Nach Unwetterlagen entstehen Kumulereignisse mit hunderten Aufträgen in wenigen Tagen, was Priorisierung und lange Arbeitstage bedeutet. Dazu kommt der Umgang mit Betroffenen, deren Haus unbewohnbar ist und die eine Entscheidung erwarten, die noch nicht getroffen ist. Wer für den Versicherer arbeitet, muss die eigene Unabhängigkeit im Gutachten wahren und sie gegenüber der Gegenseite erklären können.

Aussichten

Die Nachfrage steigt, weil Elementarschäden häufiger und teurer werden und weil Baupreise die Kalkulation schwieriger machen. Versicherer bauen eigene Sachverständigenorganisationen aus und beauftragen zugleich Büros, sodass Wechsel zwischen beiden Seiten üblich sind. Digitale Besichtigung über Bild- und Videodaten verschiebt einfache Fälle in die Fernbearbeitung und lässt den Vorortauftrag zum komplexen Schaden werden. Wege führen in die Leitung eines Sachverständigenteams, in die Spezialisierung auf Großschäden, Brandursachen oder Gewerbeobjekte, in das Underwriting mit Risikobesichtigung oder in die freie Sachverständigentätigkeit mit Gerichtsaufträgen.

Aufgaben

  • Gebäudeschäden nach Brand, Leitungswasser, Sturm und Elementarereignissen besichtigen
  • Ursache, Hergang und Schadenumfang feststellen und dokumentieren
  • Wiederherstellungskosten nach Gewerken und ortsüblichen Baupreisen kalkulieren
  • Neuwert, Zeitwert und Fragen der Unterversicherung bewerten
  • Gutachten als Grundlage der Regulierungsentscheidung erstellen
  • Feststellungen mit dem Sachverständigen des Versicherungsnehmers abstimmen
  • Am Sachverständigenverfahren nach den Versicherungsbedingungen mitwirken
  • Handwerkerangebote und Rechnungen prüfen und größere Wiederaufbauten begleiten

Voraussetzungen

  • Abgeschlossenes Studium des Bauingenieurwesens oder der Architektur
  • Mehrjährige Praxis in Planung, Bauleitung oder Sanierung
  • Kenntnisse der Bedingungswerke der Gebäude- und Inhaltsversicherung
  • Sichere Kalkulation von Bauleistungen und Erfahrung mit Schadenbildern
  • Fähigkeit zur klaren schriftlichen Darstellung von Feststellung und Begründung
  • Führerschein und hohe Reisebereitschaft, auch bei Unwetterlagen
  • Bereitschaft zur Zertifizierung oder öffentlichen Bestellung als Sachverständiger

Wo man arbeitet

  • Schadenaußendienst eines Erstversicherers
  • Sachverständigenbüro im Auftrag von Versicherern
  • Regulierungsdienstleister für Gebäude- und Elementarschäden
  • Industrieversicherer mit Risikobesichtigung
  • Freie Sachverständigentätigkeit mit Gerichtsaufträgen

Der Weg in den Beruf

Grundlage ist ein Studium des Bauingenieurwesens oder der Architektur an Hochschule oder Universität, gefolgt von mehreren Jahren Baupraxis. Die Spezialisierung auf Gebäudeschäden erfolgt danach im Schadenaußendienst eines Versicherers oder in einem Sachverständigenbüro, begleitet von Lehrgängen zu Sachversicherungsbedingungen, Schadenbildern und Bewertung. Verbreitet sind eine Personenzertifizierung sowie die öffentliche Bestellung und Vereidigung durch eine Kammer, die für Gerichtsgutachten Gewicht hat. Eine Ausbildung in der Assekuranz wird nicht verlangt, Bedingungskenntnis aber erwartet.

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