Was macht ein System Architect?
Er entwirft und verantwortet die Struktur der Anwendungslandschaft eines Versicherers. Diese Landschaft ist gewachsen: Bestandsführung je Sparte, teils in jahrzehntealten Großrechnerprogrammen, daneben Partner- und Vertragsdatenhaltung, Schaden, Inkasso, Provision, Dokumentenmanagement, Kundenportale und Schnittstellen zu Vermittlern nach den Normen der BiPRO und den Datensätzen des Gesamtverbands. Der Architekt legt fest, wie diese Teile zusammenspielen: Er schneidet Systemgrenzen und Schnittstellen, entscheidet zwischen Standardsoftware und Eigenentwicklung, entwirft den Weg einer Bestandsmigration einschließlich der Phase, in der altes und neues System parallel laufen, bewertet die Nutzung von Cloudleistungen samt den Anforderungen an Auslagerungen und schreibt die Vorgaben, an die sich die Entwicklungsteams halten. Ein erheblicher Teil der Arbeit ist Dokumentation und Abstimmung und nicht Entwurf.
Wie wird man System Architect?
Üblich ist ein Studium der Informatik oder Wirtschaftsinformatik, ebenso der Weg über die Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung mit anschließenden Jahren in der Entwicklung. Die Rolle wird nicht am Anfang einer Laufbahn besetzt: Vorausgesetzt werden mehrere Jahre als Entwickler oder technischer Projektleiter, gern mit Erfahrung in einer Migration. Verbreitet sind Zertifizierungen nach dem Lehrplan des International Software Architecture Qualification Board, Ausbildungen zur Unternehmensarchitektur und Zertifikate der Cloudanbieter. Die Versicherungsfachlichkeit zu Vertrag, Schaden, Inkasso und Provision wird im Haus erworben und ist der Teil, der Architekten dieser Branche von anderen unterscheidet.
Was der Beruf verlangt
Entscheidungen mit langer Wirkung. Ein Bestandssystem trägt Verträge, die Jahrzehnte laufen, und ein Schnitt, der heute bequem ist, bindet das Haus über die gesamte Laufzeit. Dazu kommt die Arbeit am laufenden Betrieb: Migriert wird, während täglich Beiträge eingezogen und Schäden reguliert werden. Der Rahmen ist aufsichtsrechtlich vorgegeben, denn die versicherungsaufsichtlichen Anforderungen an die IT verlangen eine dokumentierte Architektur, Berechtigungskonzepte, Notfallvorsorge und ein geordnetes Verfahren für Auslagerungen; die europäischen Vorgaben zur digitalen Betriebsstabilität verschärfen die Erwartungen an Auslagerungen und Tests. Der Architekt hat selten Weisungsbefugnis und muss über Argumente wirken.
Aussichten
Die Ablösung der Altsysteme beschäftigt die Branche über Jahre, und die Kenntnisträger für die Programme, die dabei abgeschaltet werden, gehen gleichzeitig in den Ruhestand. Die Nutzung von Cloudleistungen wächst innerhalb der Auslagerungsregeln, Datenplattformen und Vermittlerschnittstellen nehmen zu, und mit dem Einsatz maschinellen Lernens in Antrag und Schaden kommen neue Architekturfragen dazu. Architekten mit Versicherungsfachlichkeit sind knapp und werden vielfach außerhalb des Tarifgitters geführt. Wege führen in die Unternehmensarchitektur, in die Leitung eines IT-Bereichs oder in die technische Gesamtverantwortung.