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Bewerbung

Der Lebenslauf für die Assekuranz: Aufbau, Lücken, Fehler

Der Lebenslauf wird schneller gelesen als jedes andere Dokument der Bewerbung. Was hineingehört, in welcher Reihenfolge – und warum Sparten, Vollmachten und Sachkunde die Angaben sind, auf die ein Versicherer zuerst sieht.

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Der Lebenslauf ist das Dokument, mit dem eine Bewerbung steht oder fällt. Er wird zuerst gelesen, er wird schnell gelesen, und er wird nicht von vorn nach hinten gelesen, sondern überflogen. Wer ihn schreibt, sollte deshalb weniger an einen Text denken als an eine Tabelle, die eine Frage in wenigen Sekunden beantwortet: Kann diese Person das, was hier gebraucht wird?

In der Versicherungswirtschaft kommt eine zweite Frage dazu, und sie ist der Grund, aus dem ein allgemeiner Lebenslauf hier oft nicht reicht: In welchen Sparten, mit welchen Vollmachten und mit welcher Sachkunde?

Die Reihenfolge

Üblich und erwartet ist die antichronologische Reihenfolge: die aktuellste Station steht oben, die älteste unten. Das gilt innerhalb jedes Blocks – Berufserfahrung, Ausbildung, Weiterbildung.

Der Grund ist praktisch: Was Sie zuletzt gemacht haben, ist für die Einschätzung am wichtigsten. Eine chronologische Ordnung von unten nach oben zwingt zum Lesen bis zum Schluss, um die entscheidende Information zu finden.

Die Blöcke selbst ordnen Sie nach Bedeutung für die Stelle. Bei Berufserfahrenen steht die Berufserfahrung oben und die Ausbildung darunter. Bei Berufseinsteigern ist es umgekehrt – wer die Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen gerade abgeschlossen hat, stellt sie mit Fachrichtung und Ausbildungsbetrieb nach vorn.

Was hineingehört

  • Kopfbereich: Name, Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse. Eine E-Mail-Adresse, die aus Vor- und Nachname besteht.
  • Berufserfahrung: Zeitraum (Monat/Jahr bis Monat/Jahr), Positionsbezeichnung, Arbeitgeber, Ort. Darunter zwei bis vier Zeilen zu Aufgaben und Verantwortung.
  • Ausbildung und Studium: Zeitraum, Abschluss, Einrichtung, Ort. Note nur, wenn sie gut ist oder ausdrücklich gefragt wird.
  • Weiterbildungen und Zertifikate, soweit sie zur Stelle passen: Versicherungsfachwirt (IHK), Sachkundeprüfung zum Geprüften Versicherungsfachmann IHK, Fachwirt für Finanzberatung, Versicherungsbetriebswirt, Ausbildung zum Aktuar DAV, Schadengutachter- und Sachverständigenlehrgänge, Fachkundenachweise im Bereich Compliance oder Geldwäscheprävention.
  • Kenntnisse: Sparten, Systeme, Sprachen mit Niveau, Führerscheinklasse, wenn eine Außendiensttätigkeit ansteht.

Ein Foto ist in Deutschland weiterhin verbreitet, aber nicht vorgeschrieben. Es darf auch nicht verlangt werden, ohne dass dafür ein sachlicher Grund besteht – das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Benachteiligungen unter anderem wegen Herkunft, Geschlecht und Alter. Wenn Sie eines beifügen, sollte es aktuell und ordentlich sein; wenn nicht, ist das kein Mangel.

Nicht hinein gehören Familienstand, Konfession, Angaben zu Kindern, Gesundheitszustand und Namen von Vorgesetzten. Alles davon kann benachteiligen und trägt zur Einschätzung nichts bei.

Die vier Angaben, auf die ein Versicherer zuerst sieht

Die Sparten. Kraftfahrt, Sach privat, Sach gewerblich, Haftpflicht, Unfall, Rechtsschutz, Transport, technische Versicherungen, Leben, Kranken, betriebliche Altersversorgung. Wer sie nicht nennt, überlässt die Einordnung dem Zufall. "Sachbearbeiter Versicherung" beschreibt jede zweite Stelle der Branche und keine bestimmte.

Die Vollmacht. In der Sachbearbeitung ist die Vollmachtsgrenze das genaueste Maß für Verantwortung, das es gibt – die Höhe, bis zu der Sie selbst regulieren, zeichnen oder anerkennen durften. Nennen Sie sie, wenn Sie sie kennen. Sie ersetzt drei Zeilen Beschreibung.

Die Sachkunde und die Registereintragung. Für alles, was mit Beratung und Vermittlung zu tun hat: die abgelegte Sachkundeprüfung, eine bestehende Erlaubnis nach § 34d der Gewerbeordnung, eine Eintragung im Vermittlerregister, dazu der Stand der Weiterbildung nach der Vermittlerrichtlinie IDD. Wie diese Pflichten zusammenhängen, steht in Weiterbildung in der Versicherungswirtschaft.

Die Systeme. Bestandsführungssystem, Schadensystem, Tarifierungs- und Angebotssoftware, Vergleichsrechner, Maklerverwaltungsprogramm, Auswertungs- und Datenwerkzeuge. Ein Haus, das dasselbe System einsetzt, spart Monate Einarbeitung, und das weiß es.

Die Aufgabenbeschreibungen

Der häufigste Fehler ist die Aufzählung von Zuständigkeiten ohne Größenordnung. "Verantwortlich für die Schadenbearbeitung" kann alles heißen. "Kraftfahrt-Haftpflicht und Kasko, rund 40 Vorgänge in der Woche, Regulierungsvollmacht bis zu einem festgelegten Betrag, Regressprüfung" ist eine Information.

Nennen Sie deshalb, wo möglich: Zahl der Vorgänge oder Verträge, Bestandsgröße, Teamgröße, Dauer, Schnittstellen. Nennen Sie keine Zahlen, die Sie nicht belegen können, und keine, die Ihrer Verschwiegenheitspflicht unterliegen – Bestandsdaten und Kundennamen des bisherigen Arbeitgebers gehören nicht in einen Lebenslauf.

Und: Passen Sie an. Wer aus dem Underwriting in die Industrieversicherung wechselt, stellt andere Tätigkeiten nach vorn als bei einer Bewerbung im Privatkundengeschäft – aus demselben Lebenslauf.

Lücken

Eine Lücke ist eine Zeit ohne Eintrag, nicht eine Zeit ohne Beschäftigung. Das ist der wichtigste Punkt in diesem Abschnitt: Die meisten Lücken entstehen dadurch, dass etwas nicht aufgeschrieben wurde, nicht dadurch, dass nichts passiert ist.

Tragen Sie deshalb ein, was war: Elternzeit, Pflege von Angehörigen, Weiterbildung, Umschulung, Krankheit als "gesundheitsbedingte Unterbrechung", Arbeitsuche, ein längerer Auslandsaufenthalt, eine selbstständige Tätigkeit als Vermittler. Das ist ehrlicher und wirkt souveräner als eine unerklärte Leerstelle, über die im Gespräch ohnehin gesprochen wird.

Zwei praktische Regeln:

  • Monate statt Tage. Zeiträume in Monat/Jahr anzugeben ist üblich. Ein Wechsel Ende März zum Beginn im Mai erzeugt so gar keine sichtbare Lücke.
  • Kurz benennen, nicht rechtfertigen. Ein Halbsatz genügt. Eine ausführliche Begründung im Lebenslauf macht aus einer Nebensache ein Thema.

Verschweigen ist die schlechteste Lösung. Eine falsche Angabe im Lebenslauf kann eine Kündigung oder eine Anfechtung des Arbeitsvertrags nach sich ziehen – eine erklärte Lücke kann das nicht. In einer Branche, deren Aufsichtsrecht ausdrücklich nach Zuverlässigkeit fragt, wiegt eine nachträglich entdeckte Unwahrheit besonders schwer.

Wenn die Lücke daher rührt, dass Sie aus einer anderen Branche kommen, ist das kein Makel, sondern ein eigenes Thema: siehe Quereinstieg in die Versicherungswirtschaft.

Kenntnisse richtig angeben

Bei Sprachen sind Selbsteinschätzungen wie "verhandlungssicher" verbreitet, aber unscharf. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (A1 bis C2) ist eindeutiger und lässt sich belegen. Wenn Sie eine Prüfung abgelegt haben, nennen Sie sie. In der Rückversicherung, in der Industrieversicherung und in international aufgestellten Häusern ist Englisch keine Zusatzangabe, sondern eine Voraussetzung.

Bei fachlichen Kenntnissen ist eine Skala mit Balken oder Sternen wenig hilfreich: Vier von fünf Sternen sagen nicht, ob Sie ein Programm bedienen oder einrichten können. Schreiben Sie stattdessen, was Sie damit gemacht haben, oder unterscheiden Sie zwischen "täglich im Einsatz" und "Grundkenntnisse".

Länge und Form

Eine Seite bei Berufseinstieg, zwei Seiten mit mehrjähriger Erfahrung. Drei Seiten nur, wenn eine lange Laufbahn das wirklich erfordert – und dann mit einem straffen ersten Abschnitt.

Weit zurückliegende Stationen dürfen zusammengefasst werden. Wer zwanzig Jahre im Beruf ist, muss den Ferienjob nicht mehr führen. Die Schulzeit reduziert sich auf den höchsten Abschluss.

Als Datei: PDF, zusammen mit den übrigen Unterlagen in einem Dokument, wenn nichts anderes verlangt ist. Achten Sie darauf, dass der Lebenslauf auch als Text durchsuchbar ist – die Häuser dieser Branche arbeiten fast durchgängig mit Bewerbermanagementsystemen, und ein eingescanntes Bild ist für ein solches System leer.

Die häufigsten Fehler

  1. Unvollständige Zeiträume. Jahreszahlen ohne Monate wirken, als solle etwas verdeckt werden.
  2. Keine Sparte, kein System, keine Größenordnung. Der Fehler, der in dieser Branche am meisten kostet: Eine Bewerbung ohne diese Angaben lässt sich nicht einsortieren und wird deshalb nicht eingeladen.
  3. Dieselbe Fassung für jede Bewerbung. Die Reihenfolge der Kenntnisse und die Auswahl der Aufgaben sind das, was Sie ohne großen Aufwand anpassen können.
  4. Formulierungen aus dem Arbeitszeugnis. Zeugnissprache liest sich im Lebenslauf falsch; was die Formulierungen dort bedeuten, steht in Arbeitszeugnis lesen.
  5. Kein Bezug zwischen Lebenslauf und Anschreiben. Beides ist ein Dokument in zwei Teilen – die Belege im Anschreiben sollten sich im Lebenslauf wiederfinden.

Vor dem Absenden

Lesen Sie den Lebenslauf einmal so, als kennten Sie sich nicht. Wenn Sie danach nicht in zwei Sätzen sagen können, was diese Person kann, in welchen Sparten sie zu Hause ist und wo sie hinwill, ist das Dokument noch nicht fertig.

Und prüfen Sie zum Schluss die Stellenausschreibung noch einmal daraufhin, ob jede ausdrücklich verlangte Angabe vorhanden ist. Das ist der Teil der Vorauswahl, den Sie vollständig in der Hand haben.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen der Versicherungswirtschaft, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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