Was macht eine Teamleitung für den Bereich Privatkunden?
Die Rolle führt eine Gruppe von acht bis zwanzig Beschäftigten, die Privatkunden betreuen. Bei einer gesetzlichen Krankenkasse ist das der Kundenservice einer Geschäftsstelle oder eines Servicezentrums: Auskunft zu Mitgliedschaft, Beiträgen, Krankengeld und Zuzahlungen, Bearbeitung von Leistungsanträgen, dazu die Gewinnung und Bindung von Mitgliedern. Bei einem privaten Versicherer oder im Bankenvertrieb umfasst der Bereich die Beratung und Betreuung privater Kunden in Sach, Haftpflicht, Unfall, Kraftfahrt, Leben und Kranken, im Innendienst oder im angestellten Vertrieb. Die Führungsarbeit selbst ähnelt sich in beiden Häusern. Sie besteht aus Einsatz- und Urlaubsplanung, aus der Steuerung von Erreichbarkeit, Bearbeitungszeiten und Rückstandslisten, aus der Sicherung der Beratungsqualität durch Stichproben und Mithören, aus Eskalationen und Beschwerden, die von der ersten Ebene nicht gelöst werden, aus Einarbeitung und Entwicklung der Mitarbeiter, aus Zielvereinbarungen und Jahresgesprächen sowie aus dem Berichtsweg nach oben, in dem die Zahlen des Teams erklärt werden müssen. Eigene Fälle bearbeitet eine Teamleitung meist nur noch dort, wo es schwierig oder heikel wird.
Wie wird man Teamleitung für den Bereich Privatkunden?
Der Weg führt fast immer aus der Sachbearbeitung oder der Beratung des eigenen Hauses heraus. Die fachliche Grundlage ist bei den gesetzlichen Kassen die Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten, bei den privaten Versicherern die zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen, im Bankenvertrieb die zum Bankkaufmann. Darauf folgen Aufstiegsfortbildungen: Versicherungsfachwirt, Fachwirt für Versicherungen und Finanzen, Versicherungsbetriebswirt, bei den Kassen der Verwaltungsfachwirt oder der gehobene Dienst. Viele Häuser besetzen die erste Führungsebene über eigene Nachwuchsprogramme mit Auswahlverfahren, Hospitationen und Trainings. Ein Studium der Betriebswirtschaft oder der Versicherungswirtschaft öffnet den Weg ebenfalls, ersetzt aber nicht die Kenntnis der Vorgänge, die man steuern soll. Formale Führungsqualifikationen werden selten verlangt, nachgewiesene Ergebnisse und die Bereitschaft, unbequeme Gespräche zu führen, sehr wohl.
Was der Beruf verlangt
Die Steuerung läuft über Kennzahlen, und das prägt den Arbeitsalltag stärker, als es Stellenanzeigen erkennen lassen. Erreichbarkeitsquoten, Durchlaufzeiten, Rückstände, Abschluss- und Stornoquoten, bei Kassen zusätzlich Mitgliederentwicklung und Servicebewertungen liegen monatlich auf dem Tisch, und die Vorgaben werden in der Regel fortgeschrieben, unabhängig davon, wie das Vorjahr verlief. Der Druck kommt aus zwei Richtungen. Von oben kommen Ziele, Sparvorgaben und Umstrukturierungen wie die Zusammenlegung von Standorten, die erklärt werden müssen, auch wenn man sie nicht entschieden hat. Von unten kommen Krankenstand, Fluktuation, unbesetzte Stellen und Beschäftigte, die die Vorgaben für unrealistisch halten. Dazwischen liegen Personalgespräche über schwache Leistung, Konflikte im Team und gelegentlich Trennungen. Wer aus der Fachlichkeit kommt, empfindet zusätzlich den Verlust der eigenen fachlichen Arbeit als Einschnitt.
Aussichten
Die Ebene bleibt bestehen, verändert sich aber. Standardvorgänge wandern in Portale und Automatisierung ab, Servicebereiche werden zusammengelegt und Teams größer, während die Zahl der Teams sinkt. Was zunimmt, sind die schwierigen Fälle und die Anforderungen an Führung auf Distanz, weil Teile der Belegschaft dauerhaft von zu Hause arbeiten. Wer sich bewährt, geht in die Leitung einer Geschäftsstelle, eines Servicezentrums oder einer Abteilung, in die Vertriebssteuerung oder in ein Projekt zur Neuordnung von Abläufen. Der Wechsel zwischen Kassen, Versicherern und Bankenvertrieb ist möglich; die Führungsaufgabe ist übertragbar, das Fachrecht nicht.