Was macht ein Portfoliomanager in der Versicherung?
Er steuert das Sicherungsvermögen eines Versicherers, also gebundenes Kapital, das den Verpflichtungen aus Verträgen gegenübersteht. Darin unterscheidet er sich vom Portfoliomanager einer Fondsgesellschaft: Dort sind eine Marktbenchmark und der Wettbewerb um Anlegergelder der Maßstab, hier sind es die Erfüllbarkeit der Garantien, die laufende Verzinsung und die Bedeckung der Kapitalanforderung. Höhe und Fälligkeit der Verpflichtungen stehen im Bestand fest, und die Anlage folgt ihnen. Der Portfoliomanager legt im Rahmen der Anlagerichtlinie die Aufteilung über die Anlageklassen fest, entscheidet über Duration und Bonitätsmischung im Zinsbuch, kauft und verkauft, wählt externe Manager aus und überwacht sie, steuert Sicherungsgeschäfte und vertritt seine Positionen im Anlageausschuss.
Wie wird man Portfoliomanager?
Der Zugang ist akademisch: Volks- oder Betriebswirtschaft, Mathematik, Physik oder Wirtschaftsinformatik, häufig mit quantitativem Schwerpunkt. Danach folgen mehrere Jahre in der Analyse, im Aktiv-Passiv-Management, im Risikocontrolling oder in der Kapitalanlage selbst, ehe eigene Mandatsverantwortung übertragen wird. Verbreitet sind das Programm zum Chartered Financial Analyst und die Abschlüsse der DVFA; in der Lebensversicherung kommt die Ausbildung zum Aktuar der Deutschen Aktuarvereinigung hinzu, weil die Verpflichtungsseite ohne versicherungsmathematisches Verständnis nicht zu steuern ist. Große Häuser besetzen die Rolle in ihrer eigenen Kapitalanlagegesellschaft, kleinere geben Mandate nach außen und behalten die Steuerung im Haus.
Was der Beruf verlangt
Entscheidungsfreude in einem engen Rahmen. Solvency II belegt jede Anlageklasse mit einer Kapitalanforderung, das Handelsrecht bestimmt, wann Bewertungsreserven sichtbar werden, und die Anlagerichtlinie des Hauses zieht weitere Grenzen; Rendite entsteht in diesem Korsett und nicht daneben. Verlangt wird die Fähigkeit, mit Aktuariat, Risikomanagement und Rechnungswesen zu arbeiten statt gegen sie, dazu Ruhe in Marktstress und eine Dokumentation, die einer Prüfung standhält. Wer illiquide Anlagen wie Immobilien, Infrastruktur oder Unternehmensdarlehen aufbaut, bindet das Haus für viele Jahre und muss diese Bindung begründen können.
Aussichten
Höhere Zinsen erlauben wieder Neuanlage zu tragbaren Kupons und mindern den Druck der vergangenen Jahre, ohne ihn aufzuheben: Die Altbestände tragen weiterhin Garantien aus einer anderen Marktlage. Die Verschiebung in private Märkte hält an, ebenso die Aufnahme von Nachhaltigkeitskriterien in Anlagerichtlinien und Berichte. Versicherer bündeln ihre Kapitalanlage in eigenen Gesellschaften und treten damit auch für Dritte am Markt auf, was die Rollen professionalisiert. Wege führen in die Leitung einer Anlageklasse, in die Gesamtsteuerung der Kapitalanlage und bis in die Verantwortung als Chief Investment Officer.